Ein dänischer Pilz in der Krebsforschung

Die Forscher der Universität Kopenhagen haben die aktiven Stoffe eines dänischen Pilzes untersucht und festgestellt, dass einige Bestandteile des Pilzes toxisch auf Krebszellen wirken. Ihr Ziel ist es, die positiven Eigenschaften dieser Bestandteile zu vereinigen, um sie später in der Arzneimittelentwicklung verwenden zu können. In Asien werden aus natürlichen Stoffen hergestellte Erzeugnisse mit heilender Wirkung schon seit langem verwendet, worauf die Einheimischen ziemlich stolz sind.

Heute werden schon viele Bestandteile des Pilzes als Arzneimittel anerkannt und in der Chemotherapie als ergänzende Behandlung verwendet – u.a. der Pilz namens Lentinula edodes (allgemein bekannt als Shiitake), der der wichtigste Bestandteil von Kräuterauszügen auf dem japanischen Markt ist.

„Dr. Ming Chen, ein chinesisch-dänischer Arzt und Spezialist der chinesischen Heilung, hat einen dänischen Pilz entdeckt, dessen Toxine außerordentlich wirkungsvoll im Kampf gegen die Krebszellen sind. Der Lehrstuhl Pharmazie forscht die Chemie der Pilze, und wir entwickeln aufgrund der aus ihnen gewonnenen Bestandteile eine solche chemische Verbindung, die noch effektiver und selektiver ist.” – sagte Søren Brøgger Christensen, der Professor für die Forschung der natürlichen Produkte am Lehrstuhl Pharmazie ist.

Das Projekt erhielt eine Unterstützung von 2,6 Millionen dänische Kronen von der Protech Investment GmbH, welche die Spin-off Firma eines chinesischen Produzenten von Erzeugnissen mit heilender Wirkung ist.

Aufspüren von dänischen giftigen Pilzen 

Die Herstellung traditioneller Erzeugnissen mit heilender Wirkung aus natürlichen Grundstoffen beruht oft auf den Erfahrungen von mehreren Generationen der Schamanen. Demzufolge dienen solche Erfahrungen als grundliegende Informationsquellen für die Erforschung neuer aktiver Bestandteile, und ermöglichen dadurch die Entwicklung der Erzeugnisse mit heilender Wirkung.

In Dänemark werden Pilze vor allem für den Verzehr verwendet, es gibt aber auch giftige Spezien. In der dänischen Volksheilkunde fehlen jedoch meistens solche Pilze. Das fehlende Volkswissen und die fehlende Erfahrung führte Dr. Chen, den Chefarzt des Sønderborg Krankenhauses dazu, dass er anfing, die giftigen dänischen Pilze zu erforschen.  Nach langer Forschung entdeckte er einen gewissen Pilz, welcher für die Krebszellen wesentlich giftiger ist, als für die gesunden menschlichen Zellen.

Am Lehrstuhl Pharmazie hat Xuemei Liu, ein chinesischer Austauschstudent die aktiven Bestandteile des Pilzes extrahiert: „diese sind völlig neue, natürliche Verbindungen, welche die Forschungsergebnisse einzigartig machen”, erklärt Christensen, der seit 1990 mit Chen zusammenarbeitet. Damals waren beide Mitglieder einer Forschungsgruppe, welche an der Entwicklung eines Mittels gegen Malaria gearbeitet hat, basierend auf dem aus dem chinesischen Süßholz extrahierten Molekülen.

Die Chemiker übertreffen die Natur

Wenn ein interessanter natürlicher Stoff entdeckt wird,  soll er ein Entwicklungsverfahren durchlaufen, im Laufe dessen die Forscher versuchen, solche neue Verbindungen herzustellen, welche eine entsprechende Selektivität im Körper ermöglichen und dadurch minimale Nebenwirkungen haben. „Uns ist es gelungen, die aktiven Bestandteile des Pilzes zu extrahieren und ihre chemischen Strukturen zu bestimmen. Die natürlichen Bestandteile in sich sind unnütz, weil sie wegen ihrer komplexen Strukturen nicht auf eine solche Weise vereinigt werden können, dass die aus ihnen hergestellten Produkte verkauft werden könnten.

Das Problem der nachhaltigen Herstellung der aktiven Bestandteile wird durch die Tatsache noch komplizierter, dass das Pilzgewebe – sofern es aus Zellenkultur gezüchtet wird – dieses Molekül nicht produziert.  Deswegen versuchen wir einfache und effektive Strukturen zu entwickeln; solch neue Verbindungen, mit denen wir viel erfolgreichere Wirkungen erzielen können, nämlich dadurch, dass ein vereinfachtes Molekül die gleichen vielversprechenden Eigenschaften hat, die im Kampf gegen Krebs effektiv sein können.

„Auf diese Weise rufen wir die Natur zur Hilfe in der anorganischen  Chemie.” – erklärt Christensen. Er betont des Weiteren, dass (wie bei jedem neuen Erzeugnis) die Herstellung eines neuen lebensfähigen Produktes unter Verwendung der Forschungsergebnisse ein ziemlich langwieriger und komplizierter Prozess ist.

”Obwohl es auf dem asiatischen Markt eine außerordentliche große Auswahl an Pilzen mit heilender Wirkung gibt, ist es leider  unmöglich, die chinesische Volksheilkunde in Dänemark unmittelbar zu verwenden.  Das Problem ist, dass die aktiven Bestandteile der Pilze oft mit solchen Typen der Chemotherapie zusammen getestet werden, welche in Europa nicht gebräuchlich sind.” –fügt Christensen hinzu.

Quelle: University of Copenhagen

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